Neuer Wehrdienst im Unterricht
Wer ab 2008 geboren ist, bekommt mit 18 Post von der Bundeswehr. Viele Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sind also direkt betroffen. Hier finden Sie kostenloses Material, um das Thema im Politik-, Sozialkunde- oder Gemeinschaftskundeunterricht sachlich zu behandeln.
Stand: 22. Oktober 2026. Alle Angaben mit Quellen aus Gesetz, Bundestag und Bundeswehr. Unabhängiges Angebot, nicht von der Bundeswehr.
Das Merkblatt: der neue Wehrdienst auf einer Seite
Ein A4-Blatt für Schülerinnen und Schüler: was Pflicht ist und was freiwillig, Fragebogen und Bußgeld, Musterung, Sold, Kriegsdienstverweigerung, was zu tun ist, wenn der Brief kommt, und drei Fragen für die Diskussion. Zum Ausdrucken, Kopieren oder Teilen über die Lernplattform.
Tippen öffnet das PDF
Der neue Wehrdienst
Das Wichtigste auf einer Seite · Stand 22. Oktober 2026
Pflicht oder freiwillig?
Der Dienst bei der Bundeswehr ist freiwillig. Pflicht sind seit 1.1.2026 nur zwei Dinge, und nur für Männer, die ab 2008 geboren sind: der Fragebogen und die Musterung. Für alle anderen ist der Fragebogen freiwillig. Grundlage ist das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz.
1 · Der Fragebogen
Kommt kurz nach dem 18. Geburtstag per Brief, mit QR-Code zum Online-Formular. Gefragt wird nach Interesse an einem Dienst, Größe, Gewicht, Abschlüssen und Fitness.
Frist: ein Monat. Danach kommt eine zweite, förmlich zugestellte Aufforderung.
2 · Wer nicht antwortet
Keine oder falsche Antwort auf die zweite Aufforderung ist eine Ordnungswidrigkeit. Seit Oktober 2026 werden Bußgeldverfahren eingeleitet: bis zu 250 €. Antworten muss man trotzdem. Gegen einen Bußgeldbescheid gibt es den Einspruch, binnen zwei Wochen.
3 · Die Musterung
Eine ärztliche Untersuchung der Tauglichkeit. Für ganze Jahrgänge ab 1. Juli 2027 in 24 Musterungszentren geplant, bis dahin vor allem für Interessierte.
4 · Wer freiwillig dient
6 bis 11 Monate: freiwilliger Wehrdienst, 2.600 € brutto im Monat. Ab 12 Monaten: Soldat auf Zeit, dazu bis 3.500 € für den Führerschein (Klasse B).
5 · Kriegsdienstverweigerung
Grundrecht nach Art. 4 Abs. 3 Grundgesetz. Schriftlicher Antrag mit Lebenslauf und persönlicher Begründung, frühestens ein halbes Jahr vor dem 18. Geburtstag. Fragebogen und Musterung bleiben trotzdem Pflicht.
6 · Und eine Wehrpflicht?
Gibt es nicht. Eine „Bedarfswehrpflicht“ könnte nur der Bundestag durch ein eigenes Gesetz einführen (§ 2a Wehrpflichtgesetz). Anders nur im Spannungs- oder Verteidigungsfall.
In Zahlen
492.800 Briefe bis 30.9.202696 % der Männer haben geantwortetrund 9.500 Verweigerungsanträge im 1. Halbjahr 2026186.200 aktive Soldatinnen und Soldaten
Wenn dein Brief kommt
- Innerhalb eines Monats antworten, online über den QR-Code oder schriftlich. Bei Fragen hilft die Servicenummer im Brief.
- Kein Interesse? Das ankreuzen genügt. Mit dem Fragebogen verpflichtet sich niemand zu einem Dienst.
- Ehrlich antworten: Falsche oder unvollständige Angaben sind ebenfalls eine Ordnungswidrigkeit.
- Verweigern wollen? Antrag nach Art. 4 Abs. 3 GG stellen, den Fragebogen trotzdem beantworten.
Zum Nachdenken und Diskutieren
- Fragebogen und Musterung sind nur für Männer Pflicht. Ist das gerecht? Welche Gründe nennen Befürworter, welche Kritiker?
- Freiwilligkeit oder Pflicht: Wie sollte ein Land seine Verteidigung organisieren? Welche Alternativen gibt es (Pflichtjahr für alle, Zivildienst)?
- Bußgelder für den Fragebogen: angemessen, zu streng oder zu mild?
Dazu passend
- Alle Dienstgrade auf einer A4-Seite (PDF): Heer, Luftwaffe und Marine mit Abzeichen, NATO-Code und Besoldungsgruppe.
- Quiz: Dienstgrade am Abzeichen erkennen, im Browser, ohne Anmeldung, auch auf dem Handy. Gut als Einstieg oder für die letzten zehn Minuten.
- Zum Vertiefen: Fragebogen (mit Bußgeld und Einspruch), Musterung, Kriegsdienstverweigerung Schritt für Schritt, Sold.
Ein Vorschlag für eine Doppelstunde
- Einstieg (10 Minuten): Wer kennt jemanden, der den Brief schon bekommen hat? Was steht drin, was muss man tun?
- Erarbeitung (25 Minuten): Das Merkblatt in Partnerarbeit lesen. Jede Gruppe erklärt der Klasse einen der Abschnitte 1 bis 6.
- Vertiefung (20 Minuten): Pro und Contra zu einer der drei Fragen auf dem Blatt sammeln, aus der Sicht verschiedener Beteiligter: Betroffene, Bundeswehr, Eltern, Friedensbewegung.
- Diskussion (30 Minuten): Positionen austauschen, abstimmen, begründen.
- Abschluss (5 Minuten): Was muss ich tun, wenn mein Brief kommt? Jede und jeder schreibt einen Satz.
Ausgewogen bleiben
Das Thema ist politisch umstritten. Nach dem Beutelsbacher Konsens soll, was in der Politik kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers erscheinen, und niemand soll zu einer Meinung überredet werden. Das Merkblatt stellt deshalb nur die Rechtslage dar und keine Empfehlung, weder für noch gegen den Dienst. Wer Gäste einlädt, etwa Jugendoffiziere der Bundeswehr, sorgt für Ausgewogenheit, wenn auch eine andere Sicht vertreten ist, zum Beispiel eine Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerung.
Nutzung und Fehler
Merkblatt und Übersicht dürfen Sie frei ausdrucken, kopieren und an Ihre Klassen weitergeben, auch über Lernplattformen. Die Abzeichen stammen von TUBS (Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0). Wenn sich die Rechtslage ändert, aktualisieren wir das Blatt; das Datum steht oben. Fehler gefunden oder einen Wunsch für weiteres Material? Schreiben Sie uns: tara@bundeswehr-dienstgrade.de.
Quellen
- Wehrpflichtgesetz (§§ 2, 2a, 15a, 16, 17, 45), Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, BGBl. 2025 I Nr. 370
- Antworten der Bundesregierung: Drucksache 21/6256, Drucksache 21/7894
- BMVg: Bundeswehr erstmals über gesetzlichem Aufwuchskorridor (21.10.2026)
- Bundeszentrale für politische Bildung: Beutelsbacher Konsens