Bundeswehr-Dienstgrade

Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung

Das Wachbataillon empfängt Staatsgäste mit militärischen Ehren und schützt im Spannungs- und Verteidigungsfall die Dienstsitze der Bundesregierung und des Bundespräsidenten. Hier steht, wo es liegt, wie es gegliedert ist, wer hin kann, wie lange die Ausbildung dauert, welche Zulage es gibt und woran man seine Soldaten erkennt.

Stand: 24. Oktober 2026. Grundlage sind die Seiten der Bundeswehr zum Wachbataillon (Stand Mai 2026), die Stellenprofile auf bundeswehrkarriere.de, die Erschwerniszulagenverordnung und die Anzugordnung (Stand Mai 2026). Quellen unten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Standort: Julius-Leber-Kaserne, Berlin, mit rund 1.100 Soldatinnen und Soldaten. Seit 1. Oktober 2024 untersteht es dem Kommando Feldjäger.
  • Zwei gleichwertige Aufträge: protokollarischer Dienst (im Schnitt etwa 600 Einsätze am roten Teppich im Jahr) und infanteristischer Schutz von Regierungseinrichtungen.
  • Voraussetzungen: mindestens 1,60 m, gute Grundfitness; Brille und gepflegter Bart sind erlaubt.
  • Ausbildung: neun Monate, von der Grundausbildung bis zur Protokollausbildung, in den eigenen Kompanien.
  • Geld: Sold plus 50 € Zulage im Monat für den protokollarischen Dienst.

Aufgaben

Die Bundeswehr nennt das Wachbataillon einen „Infanterieverband mit Protokollauftrag“. Es hat zwei Aufträge, die es „gleichwertig und gleichzeitig“ ausführt, nach seinem Leitspruch Semper Talis, „stets gleich und doch vielseitig“.

Im Protokoll präsentieren die Soldaten ungeladene Gewehre G21, das ist der Karabiner 98k; militärische Führer tragen eine ungeladene Pistole P1. Den Salut schießt die Stabs- und Versorgungskompanie mit sechs Feldhaubitzen 105 mm, meist am Regierungsterminal des Flughafens Berlin-Brandenburg. Für den infanteristischen Auftrag hat das Bataillon unter anderem G36, P8, G22A2 und Maschinengewehre MG3, MG4 und MG5. Als Verband geht das Wachbataillon nicht in Auslandseinsätze; einzelne Soldaten können sich aber auf eigenen Wunsch etwa als Scharfschützen abstellen lassen.

Gliederung und Standorte

Das Bataillon liegt in der Julius-Leber-Kaserne am Kurt-Schumacher-Damm in Berlin, der einzige Standort seit 2014. Organisatorisch gehört es seit dem 1. Oktober 2024 zum Kommando Feldjäger der Bundeswehr und damit zum Unterstützungsbereich; vorher unterstand es dem Territorialen Führungskommando. Am Kernauftrag hat der Wechsel nach Angabe der Bundeswehr nichts geändert. Kommandeur ist Oberstleutnant Maik Teichgräber.

TeilAnzahl
Einsatzkompanien des Heeres4
Einsatzkompanie der Luftwaffe (Objektschutz)1
Einsatzkompanie der Marine (Marineinfanterie)1
Versorgungs- und Unterstützungskompanie1
Reservekompanien, nicht aktiv, unterstützen bei Bedarf2

Früher unterschied das Bataillon zwischen Sicherungs- und Protokollkompanien. Heute heißen alle einheitlich Einsatzkompanien und übernehmen beide Aufträge.

Wer kann hin: Voraussetzungen

Die Bundeswehr nennt 2026 als Voraussetzungen eine Körpergröße von mindestens 1,60 Metern und eine gute Grundfitness. Brillenträgerinnen und -träger werden grundsätzlich zugelassen, dürfen im Protokolleinsatz aber keine Brille tragen. Ein gepflegter Bart ist erlaubt.

LaufbahnSchulabschlussVerpflichtung
Mannschaftenerfüllte Vollzeitschulpflichtin der Regel 12 Jahre, als freiwillig Wehrdienstleistende 7 bis 23 Monate; mit verwertbarer Vorausbildung mindestens 2 Jahre
FeldwebelHauptschule und Berufsausbildung oder Realschulein der Regel 15 Jahre, mit verwertbarer Vorausbildung 8 bis 13 Jahre

Feldwebel führen zum Beispiel einen Trupp von Protokollsoldaten oder sind am Salut beteiligt. Laut Bundeswehr bietet das Bataillon „vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Offizier“ in allen Laufbahnen Aus- und Weiterbildung, etwa zum Scharfschützen; eigene Einstiegsregeln für Offiziere nennen die offiziellen Seiten nicht. Frauen dienen seit 2002 im Wachbataillon, seit 2011 auch im protokollarischen Dienst; derzeit sind es etwa 70 Soldatinnen.

Ältere Angaben wie 1,75 bis 2 Meter („Gardemaß“), ein BMI unter 24 oder „kein Bart, kein Bauch und keine Brille“ stammen aus einer undatierten Karriere-FAQ. Die aktuellen Seiten der Bundeswehr von Mai 2026 nennen sie nicht mehr.

Ausbildung

Die Einsatzkompanien bilden ihre Soldatinnen und Soldaten selbst aus. In neun Monaten durchlaufen sie die Grundausbildung, eine infanteristische Spezialgrundausbildung und die Protokollausbildung. Die ältere Karriere-FAQ nannte noch 40 Tage für die Protokollgrundausbildung; die aktuelle Angabe der Bundeswehr sind die neun Monate für die gesamte Ausbildung.

Gehalt und Zulagen

Im Wachbataillon gibt es den normalen Sold des Dienstgrads. Für den protokollarischen Dienst kommt eine eigene Zulage dazu:

LeistungBetragGrundlage
Zulage für den protokollarischen Dienst, auch während der Ausbildung dafür50 € im Monat§ 23q EZulV
Zum Vergleich: Zulage für militärische Führungsfunktionen (Gruppen- oder Truppführer, Zugführer, Kompaniechef)100 €, 130 € bzw. 150 € im MonatBBesG Anlage I, Vorbemerkung Nr. 4; Anlage IX

Die Protokollzulage wird nach § 23q Abs. 1 nicht neben der Zulage für militärische Führungsfunktionen gezahlt. Der Anspruch entsteht frühestens mit dem Tag des Dienstantritts.

Uniform: Barett, Waffenfarbe, Abzeichen

Kurze Geschichte

Das Wachbataillon wurde am 15. Februar 1957 als einer der ersten Verbände der Bundeswehr aufgestellt und übernimmt seit 1957 den protokollarischen Dienst. Lange lag es in Siegburg bei der damaligen Hauptstadt Bonn; dort wurde am 1. Juli 1973 in der Brückberg-Kaserne auch die Marinekompanie aufgestellt, die am 26. November 2001 nach Berlin umzog. Seit 2014 ist das ganze Bataillon ausschließlich in Berlin stationiert.

Am 1. Oktober 2024 wechselte das Bataillon vom Territorialen Führungskommando zum Kommando Feldjäger. Am 23. März 2026 verlieh Bundeskanzler Friedrich Merz dem Wachbataillon das Fahnenband des Bundeskanzlers; nach Angabe der Bundeswehr hat damit zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik ein Bundeskanzler einem militärischen Verband ein Fahnenband verliehen.

Häufige Fragen

Wo ist das Wachbataillon stationiert?

In der Julius-Leber-Kaserne in Berlin. Seit 2014 ist das Bataillon ausschließlich dort; vorher war es in Siegburg bei Bonn ansässig. Die Ehrenformationen stehen vor allem am Schloss Bellevue, am Bundeskanzleramt und am Verteidigungsministerium.

Wie groß muss man für das Wachbataillon sein?

Mindestens 1,60 Meter. Die früher genannte Spanne von 1,75 bis 2 Metern („Gardemaß“) steht noch in einer älteren Karriere-FAQ, die aktuellen Seiten der Bundeswehr von 2026 nennen nur die Untergrenze von 1,60 Metern.

Welche Voraussetzungen braucht man für das Wachbataillon?

Eine Körpergröße von mindestens 1,60 Metern und eine gute Grundfitness. Brillenträger werden grundsätzlich zugelassen, dürfen im Protokolleinsatz aber keine Brille tragen; ein gepflegter Bart ist erlaubt. Für Mannschaften reicht die erfüllte Vollzeitschulpflicht, für Feldwebel Hauptschule mit Berufsausbildung oder Realschule.

Wie viele Soldaten hat das Wachbataillon?

Rund 1.100 Soldatinnen und Soldaten (Stand 2026). Sie verteilen sich auf sieben aktive Kompanien: vier des Heeres, eine der Luftwaffe, eine der Marine und eine Versorgungs- und Unterstützungskompanie. Dazu kommen zwei nicht aktive Reservekompanien.

Was verdient man im Wachbataillon?

Den normalen Sold des Dienstgrads. Wer im protokollarischen Dienst eingesetzt oder dafür ausgebildet wird, bekommt nach § 23q der Erschwerniszulagenverordnung zusätzlich 50 Euro im Monat, nicht aber neben der Zulage für militärische Führungsfunktionen.

Dürfen Frauen ins Wachbataillon?

Ja. Frauen dienen seit 2002 im Wachbataillon, 2011 wurde die erste Soldatin für den protokollarischen Dienst zugelassen. Derzeit sind es nach Angabe der Bundeswehr etwa 70 Soldatinnen, in allen Tätigkeitsbereichen.

Geht das Wachbataillon in Auslandseinsätze?

Als Verband nicht. Einzelne Soldaten können aber auf eigenen Wunsch für besondere Aufgaben abgestellt werden, zum Beispiel als Scharfschützen.

Quellen: bundeswehr.de, „Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung in Berlin“, „Protokollarischer Dienst und infanteristischer Auftrag“ und „Der protokollarische Dienst“ (12.05.2026), „Der infanteristische Auftrag“ (01.10.2024), „Umbau der Bundeswehr beginnt“ (01.10.2024), „Bundeskanzler verleiht Fahnenband an Wachbataillon“ (23.03.2026), „50 Jahre Marineinfanterie beim Wachbataillon“ (08.09.2023); bundeswehrkarriere.de, „Soldatin / Soldat im Wachbataillon“, „FAQ Wachbataillon“ und „Spezialisierter Infanterist mit Protokollauftrag“ (abgerufen 24.10.2026); Erschwerniszulagenverordnung § 23q; Bundesbesoldungsgesetz, Anlage I Vorbemerkung Nr. 4, Anlage IX (Stand 2026); Anzugordnung A1-2630/0-9804, Stand Mai 2026, Nr. 4002, 4006, 4011, 4028, 4034, 5031, 5044, 5046, 5048 (veröffentlicht über FragDenStaat). Unabhängiges Angebot, nicht von der Bundeswehr.