Musterung: wer muss, wann, und was dort passiert
Junge Männer ab Jahrgang 2008 müssen wieder zur Musterung. Rechtlich gilt das seit dem 1. Januar 2026, für ganze Jahrgänge soll es ab dem 1. Juli 2027 losgehen. Die Musterung dauert meist einen Tag, und gemustert zu werden heißt nicht, dass man dienen muss.
Stand: 10. Oktober 2026. Grundlage sind das Wehrpflichtgesetz, die Berichte der Bundesregierung an den Bundestag und die Angaben der Bundeswehr. Quellen unten.
Das Wichtigste in Kürze
- Wer: Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit, geboren nach dem 31.12.2007. Für Frauen freiwillig.
- Seit wann: gesetzlich seit 1.1.2026; flächendeckend ab 1.7.2027 geplant.
- Dauer: meist ein Tag, das Ergebnis gibt es am selben Tag.
- Was: ärztliche Untersuchung, Computertest, Einplanungsgespräch.
- Danach: kein Zwang zum Dienst. Der Dienst bleibt freiwillig.
Wer zur Musterung muss
Die Pflicht trifft wehrpflichtige Männer, die nach dem 31. Dezember 2007 geboren sind (§ 2 Abs. 4 Wehrpflichtgesetz). Sie müssen erscheinen und sich untersuchen lassen (§ 17 Abs. 3 und 4). Frauen sind nicht verpflichtet; wer als Frau zur Bundeswehr möchte, durchläuft dasselbe Verfahren. Ältere Jahrgänge als 2008 sollen laut Bundeswehr nicht erfasst und nicht gemustert werden.
Wer im Fragebogen angibt, was einen Dienst ohnehin ausschließt, kann von der Untersuchung ausgenommen werden (§ 17 Abs. 4 Satz 4).
Ab wann: 2026 im Gesetz, 2027 in der Praxis
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz gilt seit dem 1. Januar 2026, und mit ihm die Pflicht zur Musterung. Der Regierungsentwurf hatte die Musterung noch auf den 1. Juli 2027 verschoben; diese Klausel hat der Verteidigungsausschuss gestrichen. Im Gesetz steht deshalb kein Datum 2027.
Praktisch fehlen aber noch die Plätze: Jedes Jahr werden rund 350.000 Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit 18. Die Bundeswehr baut dafür 24 Musterungszentren auf und will ganze Jahrgänge ab dem 1. Juli 2027 mustern. Bis dahin lädt sie vor allem diejenigen ein, die sich für einen Dienst interessieren und geeignet erscheinen. Im zweiten Quartal 2026 waren alle 1.490 Gemusterten Freiwillige des Jahrgangs 2008; 1.131 von ihnen waren tauglich.
Wo gemustert wird
Bis die Zentren stehen, wird an den Karrierecentern in Berlin, Düsseldorf, Erfurt, Hannover, Mainz, München, Stuttgart und Wilhelmshaven gemustert.
| Musterungszentren (geplant) | Orte |
|---|---|
| an bestehenden Standorten (16) | Bonn, Dresden, Hamburg, Kassel, Kiel, Koblenz, Leipzig, Magdeburg, Neubrandenburg, Nürnberg, Oldenburg, Potsdam, Saarlouis, Schwerin, Ulm, Wiesbaden |
| neu (8) | Bielefeld, Braunschweig, Dortmund, Jena, Kempten, Offenburg, Regensburg, Würzburg |
Standortentscheidung des Verteidigungsministeriums vom 7. Mai 2026.
Der Tag der Musterung
Die Bundeswehr stellt bei der Musterung „die körperliche, psychische und intellektuelle Eignung und Neigung“ fest. Der Ablauf nach ihren Angaben:
- Ärztliche Untersuchung: Ein Arzt oder eine Ärztin prüft unter anderem Gehör, Sehkraft und Blutdruck sowie die allgemeine körperliche Belastbarkeit.
- Computergestützter Test: in einem ruhigen Raum, mit Selbsteinschätzung und Aufgaben zu logischem Denken, Reaktionsfähigkeit und räumlichem Vorstellungsvermögen.
- Gespräch mit einer Assessmentkommission: nur für alle, die sich für zwei Jahre oder länger verpflichten wollen.
- Sporttest: nur für Offiziersbewerber, mit Pendellauf, Klimmhang und 3.000 Metern auf dem Fahrradergometer.
- Einplanungsgespräch: Die Bundeswehr gleicht die Eignung, die Fähigkeiten und die Wünsche mit freien Stellen ab.
Das Verfahren ist meist an einem Tag zu schaffen. Wer eine lange Anreise hat, kann vorher in einer Unterkunft übernachten.
Das Ergebnis
Am Ende des Tages wird das Musterungsergebnis mitgeteilt, ein Gesamturteil aus allen Untersuchungen. Es sagt, für welche Bereiche jemand aus medizinischer Sicht geeignet ist. Auch eine vorübergehende oder dauerhafte Wehrdienstunfähigkeit kann das Ergebnis sein.
Wer sich für einen Dienst entscheidet und eine Zusage bekommt, etwa für die Mannschaftslaufbahn, nimmt seine Einplanung oft gleich mit nach Hause. Danach beginnt die Sicherheitsüberprüfung, dann folgt die Einberufung. Wie viel man im Dienst verdient, steht auf der Seite Sold; welche Dienstgrade man dabei durchläuft, auf Heer & Luftwaffe und Marine.
Musterung heißt nicht Dienstpflicht
Der Dienst selbst ist freiwillig. Pflicht sind nur der Fragebogen und die Musterung. Eine Pflicht zum Dienst, die „Bedarfswehrpflicht“, könnte nur der Bundestag durch ein eigenes Gesetz einsetzen (§ 2a Wehrpflichtgesetz); im Spannungs- und Verteidigungsfall gilt das Wehrpflichtgesetz ohnehin vollständig. Ein solches Gesetz ist bisher nicht eingebracht.
Musterung und Kriegsdienstverweigerung
Wer verweigern will, kommt um die Musterung in der Regel nicht herum: Ein Antrag wird abgelehnt, wenn der Antragsteller die Musterung verweigert (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 KDVG), und Fragebogen und Musterung bleiben auch mit laufendem Antrag Pflicht. Bereits anerkannte Verweigerer des Jahrgangs 2008 sollen laut Bundesregierung nicht geladen werden. Wie der Antrag geht, steht Schritt für Schritt auf der Seite Kriegsdienstverweigerung.
Noch offen
- Berichte, nach denen seit Sommer 2026 auch Männer ohne Interesse am Dienst geladen werden, konnten wir aus amtlichen Quellen noch nicht bestätigen. Der nächste Bericht der Bundesregierung (drittes Quartal) steht aus.
- Was man mitbringen muss und ob Fahrtkosten erstattet werden, nennen die von uns gelesenen amtlichen Seiten nicht. Maßgeblich ist die Ladung, die man bekommt.
Häufige Fragen
Wer muss zur Musterung?
Männer mit deutscher Staatsangehörigkeit, die nach dem 31. Dezember 2007 geboren sind (§ 2 Abs. 4, §§ 16 und 17 Wehrpflichtgesetz). Frauen müssen nicht, wer als Frau zur Bundeswehr will, durchläuft dasselbe Verfahren freiwillig. Ältere Jahrgänge sollen nicht gemustert werden.
Ab wann ist die Musterung Pflicht?
Rechtlich seit dem 1. Januar 2026. Flächendeckend für ganze Jahrgänge soll ab dem 1. Juli 2027 gemustert werden, wenn die 24 Musterungszentren arbeiten. Das Datum 2027 ist ein Planungsdatum der Bundeswehr, es steht nicht im Gesetz. Bis dahin lädt die Bundeswehr vor allem Interessierte ein.
Wie lange dauert die Musterung?
Laut Bundeswehr ist das Verfahren meist an einem Tag zu schaffen. Das Ergebnis wird am Ende des Tages mitgeteilt. Wer eine längere Anreise hat, kann in einer Unterkunft übernachten.
Was passiert bei der Musterung?
Eine ärztliche Untersuchung (unter anderem Gehör, Sehkraft, Blutdruck, körperliche Belastbarkeit) und ein computergestützter Test mit Selbsteinschätzung, logischem Denken, Reaktion und räumlichem Vorstellungsvermögen. Wer zwei Jahre oder länger dienen will, führt zusätzlich ein Gespräch mit einer Assessmentkommission; Offiziersbewerber machen einen Sporttest. Am Ende steht ein Einplanungsgespräch.
Muss ich zur Musterung, wenn ich den Kriegsdienst verweigere?
Grundsätzlich ja: Ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung wird abgelehnt, wenn der Antragsteller die Musterung verweigert (§ 7 Abs. 1 Nr. 1 KDVG). Bereits anerkannte Verweigerer des Jahrgangs 2008 sollen nach Angaben der Bundesregierung nicht zur Musterung geladen werden.
Heißt gemustert werden, dass ich zur Bundeswehr muss?
Nein. Der Dienst ist freiwillig. Eine Pflicht zum Dienst gäbe es erst, wenn der Bundestag durch ein eigenes Gesetz eine Bedarfswehrpflicht einsetzt, oder im Spannungs- und Verteidigungsfall. Ein solches Gesetz gibt es bisher nicht.
Quellen
- Wehrpflichtgesetz in der geltenden Fassung (§§ 2, 2a, 16, 17); Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, BGBl. 2025 I Nr. 370
- Verteidigungsausschuss, Beschlussempfehlung Drucksache 21/3076 (3.12.2025)
- Antworten der Bundesregierung: Drucksache 21/6256 (Juni 2026), Drucksache 21/7894 (September 2026)
- Bundeswehr: Assessment und Musterung (10.3.2026)
- BMVg: Standortentscheidungen für Musterungszentren (7.5.2026)
- § 7 Kriegsdienstverweigerungsgesetz