Militärmusikdienst der Bundeswehr
Die Bundeswehr hat 15 Musikeinheiten, vom Stabsmusikkorps in Berlin bis zur Big Band in Euskirchen. Ihre Musikerinnen und Musiker sind Soldaten mit Dienstgrad und Grundausbildung. Hier steht, wo die Musikkorps sitzen, wie man hinkommt, wie die Ausbildung läuft, was man verdient und woran man Militärmusiker an der Uniform erkennt.
Stand: 24. Oktober 2026. Grundlage sind die Seiten und Flyer der Bundeswehr zur Militärmusik (Stand Mai und Juni 2026), die Soldatenlaufbahnverordnung, das Besoldungsrecht und die Anzugordnung (Stand Mai 2026). Quellen unten.
Das Wichtigste in Kürze
- 15 Musikeinheiten, geführt vom Zentrum Militärmusik der Bundeswehr in Bonn, alle Teil des Unterstützungsbereichs. Über 700 Orchesterstellen, über 2.000 Auftritte im Jahr.
- Einstieg ab 17 Jahren mit Instrument und mindestens Hauptschulabschluss, über ein Probespiel. Mit Bachelor in Musik direkt als Feldwebel.
- Ausbildung mit der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf: fünf Jahre zum Orchestermusiker, sechs zum Kapellmeister.
- Geld: Sold nach Dienstgrad, keine eigene Musikzulage.
- Erkennungszeichen: weiße Waffenfarbe, Lyra auf dem Barett; die Barettfarbe hängt vom Musikkorps ab.
Aufgaben
Die Bundeswehr nennt drei Aufgaben des Militärmusikdienstes:
- Betreuung der Truppe: Musik bei Feierlichen Gelöbnissen und Kommandowechseln, auch für Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz. Diese Aufgabe steht an erster Stelle.
- Protokollarischer Ehrendienst für ausländische Staatspräsidenten, Regierungschefs und hohe militärische Gäste.
- Pflege der Beziehungen zu befreundeten Staaten und Auftritte bei Großveranstaltungen im Ausland.
Nach den Flyern des Zentrums Militärmusik spielen die 15 Orchester zusammen über 2.000 Auftritte im Jahr vor über einer Million Zuhörern. Für genehmigte Auftritte dürfen Militärmusiker die Uniform auch außerhalb des Dienstes tragen.
Gliederung und Standorte
Alle Musikeinheiten führt der Leiter des Militärmusikdienstes mit seinem Stab, dem Zentrum Militärmusik der Bundeswehr in Bonn (Robert-Schuman-Platz 3). Die Regionalmusikkorps sind den Teilstreitkräften zugeordnet und heißen deshalb Heeres-, Luftwaffen- oder Marinemusikkorps; trotzdem gehören alle Musikeinheiten zum Unterstützungsbereich der Bundeswehr.
| Musikeinheit | Kaserne | Ort |
|---|---|---|
| Stabsmusikkorps der Bundeswehr | Julius-Leber-Kaserne | Berlin |
| Musikkorps der Bundeswehr | Brückberg-Kaserne | Siegburg |
| Big Band der Bundeswehr | Mercator Kaserne | Euskirchen |
| Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr | Waldkaserne | Hilden |
| Gebirgsmusikkorps der Bundeswehr | Artillerie-Kaserne | Garmisch-Partenkirchen |
| Heeresmusikkorps Hannover | Scharnhorst-Kaserne | Hannover |
| Heeresmusikkorps Kassel | Minna-Bernst-Straße 2 | Kassel |
| Heeresmusikkorps Koblenz | Gneisenaukaserne | Koblenz |
| Heeresmusikkorps Neubrandenburg | Tollense-Kaserne | Neubrandenburg |
| Heeresmusikkorps Ulm | Wilhelmsburgkaserne | Ulm |
| Heeresmusikkorps Veitshöchheim | Balthasar-Neumann-Kaserne | Veitshöchheim |
| Luftwaffenmusikkorps Erfurt | Löberfeldkaserne | Erfurt |
| Luftwaffenmusikkorps Münster | Lützow-Kaserne | Münster |
| Marinemusikkorps Kiel | Schweriner Straße 17 a | Kiel |
| Marinemusikkorps Wilhelmshaven | Kaserne Ebkeriege | Wilhelmshaven |
Einige Einheiten haben besondere Rollen:
- Stabsmusikkorps (Berlin): nach Bundeswehr-Angabe „die musikalische Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland“, mit 102 Musikern. Zusammen mit dem Wachbataillon begrüßt es alle Staatsgäste und spielt dabei jedes Jahr über 70 Nationalhymnen. Es hat einen Spielmannszug.
- Musikkorps der Bundeswehr (Siegburg): 60 Soldatinnen und Soldaten, das Aushängeschild für Konzertaufführungen, ebenfalls mit Spielmannszug.
- Big Band der Bundeswehr (Euskirchen): das Show- und Unterhaltungsorchester mit 24 Profimusikern.
- Ausbildungsmusikkorps (Hilden): die zentrale Ausbildungseinrichtung; hier werden bis zu 140 Musikerinnen und Musiker zu Orchestermusikern ausgebildet.
Wer kann hin: Voraussetzungen
In den Militärmusikdienst führen mehrere Wege. Gemeinsam ist allen: Du musst dein Instrument beherrschen, eine musikalische Eignungsprüfung bestehen und wie alle Soldaten die Grundausbildung durchlaufen.
| Weg | Voraussetzungen | Probespiel |
|---|---|---|
| Orchestermusiker mit Studium (Laufbahn der Feldwebel des Militärmusikdienstes) | mindestens 17 Jahre, mindestens Hauptschulabschluss, Blasinstrument, Keyboard, Schlagwerk oder Klavier | beim Ausbildungsmusikkorps in Hilden, nach der militärischen Eignungsprüfung |
| Seiteneinstieg mit Musikstudium | sechssemestriges Musikstudium mit mindestens 180 Leistungspunkten; Einstellung mindestens als Feldwebel oder Bootsmann, mindestens vier Jahre Dienstzeit | militärische und musikfachliche Eignungsfeststellung |
| Wehrdienst im Musikkorps | mindestens 17 Jahre, mindestens Hauptschulabschluss, Blasinstrument, Schlagwerk oder Klavier; 12 bis 23 Monate | Vorspiel bei einem Musikkorps in deiner Nähe |
| Spielleute (Mannschaften, Unteroffiziere) | Spielmannspfeife und/oder Spielmannstrommel, notenfest; mindestens zwölf Monate | in Siegburg oder Berlin: Parademarsch der Spielleute und Lockmarsch auswendig, dazu ein bis zwei Stücke eigener Wahl |
| Kapellmeister (Militärmusikoffizier) | Hochschulreife oder Fachhochschulreife, bestandene Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule, Verpflichtung für mindestens 15 Jahre | Aufnahmeprüfung der Hochschule |
Instrumente im Orchester sind nach bundeswehrkarriere.de Querflöte, Oboe, Klarinette (deutsches System), Fagott, Saxophon, Waldhorn, Trompete, Tenorhorn/Bariton, Posaune, Tuba, Keyboard und Schlagzeug. Die Literaturvorschläge für das Probespiel veröffentlicht das Ausbildungsmusikkorps. Zur Staatsangehörigkeit sind die Angaben der Bundeswehr nicht einheitlich; der Flyer für Seiteneinsteiger (Juni 2026) nennt die deutsche oder im Ausnahmefall eine EU-Staatsbürgerschaft. Frag im Zweifel beim Karriereberater nach. Ein Höchstalter nennen die Quellen nicht.
Wer erst hineinschnuppern will: Das Ausbildungsmusikkorps bietet von Januar bis März jedes Jahres einwöchige Praktika an, ab 16 Jahren.
Ausbildung
Orchestermusiker werden in fünf Jahren zum Musikfeldwebel ausgebildet, zusammen mit der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Nach bundeswehrkarriere.de besteht der Weg aus der dreimonatigen Grundausbildung, einem musikfachlichen Basismodul zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung der Hochschule, einem dreimonatigen Laufbahnlehrgang an der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München und dem Bachelorstudium für Orchesterinstrumente. Die Ausbildung endet mit der „Feldwebelprüfung – musikfachlicher Teil“; danach spielst du in einem der Musikkorps. Eingestellt wird man laut Flyer als Unteroffizier.
Kapellmeister brauchen sechs Jahre und schließen mit dem Master of Music an der Robert Schumann Hochschule ab. Als Dirigent leitet man später ein Musikkorps künstlerisch und ist zugleich Disziplinarvorgesetzter. Wer schon das Kapellmeisterexamen oder einen gleichwertigen Abschluss einer Musikhochschule hat, kann direkt als Hauptmann eingestellt werden.
Wehrdienstleistende durchlaufen drei Monate Grundausbildung und eine vierwöchige Ausbildung „Heimatschutz“. Spielleute werden im Musikkorps zu Protokollsoldaten ausgebildet; besonders Qualifizierte können später in die Laufbahn der Fachunteroffiziere wechseln.
Dienstgrade und Laufbahnen
Der Militärmusikdienst hat keine eigenen Dienstgradabzeichen, aber eigene Laufbahnen: Mannschaften, Fachunteroffiziere und Feldwebel des Militärmusikdienstes sowie die Militärmusikoffiziere. Die Soldatenlaufbahnverordnung regelt unter anderem:
- Wer mit einer dreijährigen musikalischen Ausbildung kommt, kann als Stabsunteroffizier eingestellt werden, mit Bachelor in Orchesterinstrumenten (180 Leistungspunkte) als Feldwebel.
- Zum Hauptmann darf nur befördert werden, wer das Kapellmeisterexamen bestanden hat. Zum Major frühestens drei Jahre, zum Oberst frühestens 13 Jahre nach der Beförderung zum Hauptmann. Oberst ist der höchste Dienstgrad dieser Laufbahn.
- Mannschaften ab Gefreiter, Fachunteroffiziere und Feldwebel können in die Offizierlaufbahn aufsteigen.
- Bis zum 50. Geburtstag kann die Bundeswehr Militärmusiker auch ohne ihre Zustimmung in den Truppendienst versetzen.
Die Regelverpflichtung beträgt nach bundeswehrkarriere.de für Feldwebel 15 Jahre (mit verwertbarer Vorausbildung 4 bis 13), für Kapellmeister mit Studium 18 Jahre, mit fertigem Abschluss 5 Jahre.
Gehalt und Zulagen
Militärmusiker bekommen den Sold ihres Dienstgrads wie alle anderen Soldaten. Eine eigene Zulage gibt es nicht.
| Leistung | Betrag | Grundlage |
|---|---|---|
| Besoldung nach Dienstgrad | wie in anderen Truppengattungen | Bundesbesoldungsgesetz |
| Zulage für Militärmusik | gibt es nicht | weder im BBesG noch in der Erschwerniszulagenverordnung enthalten |
| Einstieg in der Ausbildung als Unteroffizier | über 2.000 € netto | Flyer „Studium“, Juni 2026 |
| Seiteneinstieg als Feldwebel | über 2.200 € netto | Flyer „Seiteneinsteiger:in“, Juni 2026 |
| Wehrdienst im Musikkorps | etwa 2.200 € netto | Flyer „Neuer Wehrdienst im Musikkorps“, Juni 2026 |
| Spielleute (Mannschaften, Unteroffiziere) | über 2.200 € netto | Flyer „Spielleute gesucht“, Mai 2026 |
Die Nettobeträge sind Angaben der Bundeswehr und hängen von der persönlichen Situation ab, etwa Steuerklasse und Familienstand.
Uniform: Barett, Waffenfarbe, Abzeichen
- Waffenfarbe: Weiß ist die Kragenspiegelfarbe des Militärmusikdienstes.
- Barettabzeichen: eine stilisierte Lyra.
- Barettfarbe nach Musikkorps: korallenrot beim Ausbildungsmusikkorps; grün beim Stabsmusikkorps, beim Musikkorps der Bundeswehr und bei den Heeresmusikkorps Kassel und Neubrandenburg; schwarz bei den Heeresmusikkorps Hannover und Ulm und bei der Big Band; bordeauxrot bei den Heeresmusikkorps Koblenz und Veitshöchheim. Das Luftwaffenmusikkorps Erfurt trägt im protokollarischen Dienst das marineblaue Barett. Für die übrigen Musikkorps nennt die Anzugordnung keine Barettfarbe.
- Laufbahnabzeichen der Musikoffiziere: eine handgestickte goldfarbene Lyra auf dunkelblauem Tuch, als Metallauflage auch auf den Schulterklappen.
- Tätigkeitsabzeichen Militärmusikpersonal: ein Kreis mit stilisierter Lyra, in Bronze nach sechs Monaten, in Silber nach fünf und in Gold nach zehn Jahren.
- Marine: Das Verwendungsabzeichen Militärmusik zeigt einen klaren Anker mit Lyra.
- Ärmelband: Angehörige des Stabsmusikkorps tragen ein graues Ärmelband mit silberner Schrift „Stabsmusikkorps der Bundeswehr“. Das Gebirgsmusikkorps hat ein eigenes Verbandsabzeichen.
Für die Musikkorps und die Big Band gelten zusätzlich eigene Anzugbestimmungen, die nicht öffentlich sind.
Kurze Geschichte
Mit der Aufstellung der Bundeswehr begann für die westdeutsche Militärmusik nach Angabe der Bundeswehr „ein völliger Neubeginn, der Traditionen der Vorgängerarmeen zum Teil kappte“. Der neue Militärmusikdienst führte die Musikkorps der damals drei Teilstreitkräfte fachlich eigenständig. 1971 wurde auf Initiative von Verteidigungsminister Helmut Schmidt die Big Band gegründet, im Jahr 2000 ging das Musikkorps der Bundeswehr aus dem damaligen Stabsmusikkorps hervor. Mit der Indienststellung des Unterstützungsbereichs 2025 wurden die Musikkorps Teil dieses neuen Organisationsbereichs.
Häufige Fragen
Wie viele Musikkorps hat die Bundeswehr?
Der Militärmusikdienst umfasst 15 Musikeinheiten: das Stabsmusikkorps in Berlin, das Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg, die Big Band in Euskirchen, das Ausbildungsmusikkorps in Hilden, das Gebirgsmusikkorps in Garmisch-Partenkirchen, sechs Heeresmusikkorps sowie je zwei Luftwaffen- und Marinemusikkorps. Geführt werden sie vom Zentrum Militärmusik der Bundeswehr in Bonn.
Wo sind die Musikkorps der Bundeswehr stationiert?
In Berlin, Siegburg, Euskirchen, Hilden, Garmisch-Partenkirchen, Hannover, Kassel, Koblenz, Neubrandenburg, Ulm, Veitshöchheim, Erfurt, Münster, Kiel und Wilhelmshaven. Die Leitung, das Zentrum Militärmusik der Bundeswehr, sitzt in Bonn.
Was ist das Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg?
Ein Orchester aus 60 Soldatinnen und Soldaten in der Brückberg-Kaserne in Siegburg. Es ging im Jahr 2000 aus dem damaligen Stabsmusikkorps hervor und ist nach Angabe der Bundeswehr das Aushängeschild des Militärmusikdienstes für Konzertaufführungen. Es hat einen eigenen Spielmannszug.
Welche Voraussetzungen braucht man als Militärmusiker?
Für die Ausbildung zum Orchestermusiker: mindestens 17 Jahre, mindestens Hauptschulabschluss und ein Blasinstrument, Keyboard, Schlagwerk oder Klavier. Nach der militärischen Eignungsprüfung folgt ein Probespiel beim Ausbildungsmusikkorps in Hilden. Wer schon einen Bachelor in Musik (180 Leistungspunkte) hat, kann als Feldwebel einsteigen.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Militärmusiker?
Zum Orchestermusiker (Musikfeldwebel) fünf Jahre, zum Kapellmeister (Musikoffizier) sechs Jahre. Die Ausbildung läuft zusammen mit der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf; Feldwebel schließen mit einem Bachelor ab, Kapellmeister mit dem Master of Music.
Was verdient ein Militärmusiker?
Den normalen Sold seines Dienstgrads; eine eigene Zulage für Militärmusik gibt es weder im Bundesbesoldungsgesetz noch in der Erschwerniszulagenverordnung. Die Flyer der Bundeswehr (Juni 2026) nennen als Einstieg über 2.000 Euro netto als Unteroffizier in der Ausbildung und über 2.200 Euro netto als Feldwebel mit Musikstudium.
Wie oft treten die Musikkorps auf?
Laut Bundeswehr spielen die 15 Orchester zusammen über 2.000 Auftritte im Jahr vor über einer Million Zuhörern: Gelöbnisse und Kommandowechsel, Staatsempfänge, Konzerte und Auftritte im Ausland. Das Stabsmusikkorps spielt dabei jedes Jahr über 70 verschiedene Nationalhymnen.
Quellen: bundeswehr.de, „Zentrum Militärmusik der Bundeswehr“ (17.08.2026), „Militärmusik der Bundeswehr“ (27.03.2025), Seiten der 15 Musikeinheiten (11.11.2019 bis 30.06.2026), „Unterstützungsbereich der Bundeswehr in Dienst gestellt“ (29.04.2025), „Tradition – ein geschichtlicher Abriss“ (25.09.2018); Flyer des Zentrums Militärmusik „Militärmusiker:in – Studium“, „Seiteneinsteiger:in“ und „Neuer Wehrdienst im Musikkorps“ (Stand Juni 2026), „Spielleute gesucht“ (Stand Mai 2026); bundeswehrkarriere.de, „Soldatin / Soldat im Militärmusikdienst“ und „Dirigentin / Dirigent“ (abgerufen 24.10.2026); Soldatenlaufbahnverordnung §§ 9, 10, 13, 15, 17, 19, 33–37; Bundesbesoldungsgesetz und Erschwerniszulagenverordnung (Volltextsuche, 24.10.2026); Anzugordnung A1-2630/0-9804, Stand Mai 2026, Nr. 1015, 1029, 4002, 4011, 4034, 5023, 5025, 5044, 5046 und Abschnitt 5.10.4 (veröffentlicht über FragDenStaat). Unabhängiges Angebot, nicht von der Bundeswehr.