Grundausbildung bei der Bundeswehr
Wer zur Bundeswehr geht, beginnt mit drei Monaten Grundausbildung, ob im freiwilligen Wehrdienst oder als Soldat auf Zeit. Seit Mai 2026 heißt sie offiziell Heimatschutzausbildung Streitkräfte und ist für alle gleich. Hier steht, was in diesen zwölf Wochen passiert, was man verdient und wie es danach weitergeht.
Stand: 24. Oktober 2026. Grundlage sind die Angaben der Bundeswehr, eine Antwort der Bundesregierung an den Bundestag vom August 2026, das Soldatengesetz, die Soldatenlaufbahnverordnung und das Wehrsoldgesetz. Quellen unten.
Das Wichtigste in Kürze
- Dauer: drei Monate, rund 500 Ausbildungsstunden, für alle Teilstreitkräfte und Laufbahnen gleich. Im Heer schließen sich weitere drei Monate an.
- Inhalt: Gefechtsdienst und Schießen, Erste Hilfe, Drohnen, ABC-Abwehr, Wachdienst, Formaldienst, Sport, Rechte und Pflichten.
- Dienstgrad: Start im niedrigsten Mannschaftsdienstgrad, etwa als Jäger, Flieger oder Matrose. Gefreiter frühestens nach drei Monaten.
- Geld: 2.600 € Wehrsold im freiwilligen Wehrdienst; Soldaten auf Zeit derzeit 2.866 € (Abschlag). Mehr unter Sold.
- Gelöbnis oder Eid gegen Ende der drei Monate. Wochenenden sind in der Regel frei.
Neuer Name seit Mai 2026
Seit dem 1. Mai 2026 durchlaufen alle neuen Rekrutinnen und Rekruten dieselbe dreimonatige Heimatschutzausbildung Streitkräfte (HSA SK). Sie hat die bisherige Grund- und Basisausbildung abgelöst; die Bundeswehr nennt sie selbst „die neue Grundausbildung“. Der Name heißt nicht, dass man danach in einem Heimatschutzregiment dient: Jeder neue Soldat macht diese Ausbildung, egal wohin er später kommt. Ziel ist, dass alle Objekte bewachen und sichern und Sicherungskräfte unterstützen können. Neu sind vor allem Drohnen und Drohnenabwehr, mehr Erste Hilfe für Verwundungen im Gefecht und Cyber-Awareness.
Die Dauer bleibt in der Regel drei Monate. Die Bundesregierung hat im August 2026 erklärt, dass sie für alle gleich lang ist und auch im Spannungs- oder Verteidigungsfall nicht verkürzt werden soll. Im Heer heißen die ersten sechs Monate Basisausbildung: zwölf Wochen Heimatschutzausbildung wie überall, dann zwölf Wochen Ausbildung zum Soldaten der Landstreitkräfte. In den anderen Bereichen folgen für viele ein Fortgeschrittenenlehrgang im Heimatschutz (200 Stunden), dann die Ausbildung für den eigenen Dienstposten.
Was man lernt
- Gefechtsdienst: Bewegen und Tarnen im Gelände, Stellungsbau, Orientierung mit Karte und Kompass, Zelt aufbauen, Feuer machen. Höhepunkt ist ein Biwak, drei Tage ohne feste Unterkunft.
- Schießen: erst Waffenkunde und Trockenübungen, dann der Simulator, zuletzt scharfer Schuss mit dem Gewehr G36 oder schon dem neuen G95 auf bis zu 200 Meter, auch in der Dämmerung. Dazu die Pistole P8.
- Erste Hilfe: die Ausbildung zum Einsatzersthelfer A, mit Tourniquet, Wendl-Tubus, Chest Seal und Thoraxentlastung, dazu psychologische Kameradenhilfe.
- Drohnen: Drohnen erkennen, abwehren und selbst bedienen.
- ABC-Abwehr, Wachdienst und militärische Sicherheit.
- Formaldienst: Grüßen, Melden, Marschieren im Gleichschritt, die Dienstgrade erkennen.
- Innere Führung: Rechte und Pflichten des Soldaten, Grundlagen des Wehrrechts, politische Bildung.
- Sport: der Basis-Fitness-Test (Pendellauf 11 × 10 m, Klimmhang, 1.000-m-Lauf), ein Marsch über 6 km mit 15 kg Gepäck in höchstens 60 Minuten und 100 m Kleiderschwimmen in höchstens vier Minuten.
Einen bundesweit gültigen Wochenplan veröffentlicht die Bundeswehr nicht. Als Beispiel ein Monatsplan einer Ausbildungskompanie des Heeres (Heimatschutzregiment 4): im ersten Monat Grundlagenunterricht, Rechte und Pflichten, Sanitätsuntersuchung, Waffen- und Schießlehre, Sport; im zweiten Schießen, Karte und Kompass, Tarnen, Stellungsbau, Gefechts- und Sanitätsausbildung; im dritten Wach- und Schutzaufgaben, Abschlussprüfung und das feierliche Gelöbnis. Wer einen Teil nicht besteht, wird nachgeschult und darf ihn wiederholen.
Die ersten Tage
Am ersten Tag meldest du dich mit Einberufungsbescheid und Personalausweis an der Wache. Dann folgen Anmeldung, Einzug in die Stube (bei der Marine: Kammer), die man sich anfangs mit anderen teilt, getrennt nach Geschlechtern, und die Einweisung durch die Ausbilder. Die Einkleidung ist in der Regel in der ersten Woche: über 100 Teile von Uniformen und zwei Paar Kampfstiefeln bis zu Helm, Schutzweste, Schlafsack und Zelt. Bis dahin trägst du zivil. In den ersten beiden Wochen kommen die ärztliche Eingangsuntersuchung, Belehrungen und Grundlagenunterricht dazu. Drei Mahlzeiten am Tag kosten rund zehn Euro. In der Grundausbildung wohnen Wehrdienstleistende grundsätzlich in der Kaserne.
Dienstgrad und Beförderung
Alle beginnen im niedrigsten Mannschaftsdienstgrad. Wie er heißt, hängt von der Truppe ab: Jäger, Schütze, Panzergrenadier, Kanonier, Pionier, Funker, Sanitätssoldat, in der Luftwaffe Flieger, in der Marine Matrose. Die Soldatenlaufbahnverordnung erlaubt die Beförderung zum Gefreiten nach drei Monaten und zum Obergefreiten nach sechs Monaten, für Wehrdienstleistende ebenso wie für Unteroffizier-, Feldwebel- und Offizieranwärter. „Erlaubt“ heißt frühestens, nicht automatisch. Wer eine verwertbare Berufsausbildung mitbringt, kann auch mit einem höheren Dienstgrad einsteigen.
Sold in der Grundausbildung
| Wer | Betrag brutto im Monat |
|---|---|
| Freiwilliger Wehrdienst, niedrigster Dienstgrad | 2.600 € Wehrsold |
| Freiwilliger Wehrdienst als Gefreiter / Obergefreiter | 2.630 € / 2.650 € |
| Soldat auf Zeit, niedrigster Dienstgrad (A 3) | 2.866 € als Abschlag seit Mai 2026 (gesetzlich 2.707 €) |
Der Sold wird monatlich im Voraus gezahlt; den ersten Abschlag zahlen viele Einheiten in den ersten zehn Tagen. Soldaten auf Zeit, die in der Kaserne wohnen müssen, wird ein Betrag für die Unterkunft angerechnet. Ohne Steuer-ID wirst du in Steuerklasse 6 eingestuft. Alle Beträge und Zulagen: Sold 2026.
Gelöbnis und Eid
Gegen Ende der drei Monate bekennen sich die Rekruten öffentlich zu ihren Pflichten, oft vor Familie und Freunden. Was gesprochen wird, steht in § 9 des Soldatengesetzes:
- Feierliches Gelöbnis (freiwilliger Wehrdienst): „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.“
- Diensteid (Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten): „Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.“ Der Eid kann ohne die letzten Worte geleistet werden.
Eine Abordnung spricht die Formel mit der linken Hand an der Truppenfahne, die anderen sprechen nach. Wer fehlt, wird nachträglich vereidigt. Wer als Soldat auf Zeit den Eid verweigert, wird entlassen und verliert seinen Dienstgrad. Wehrdienstleistende, die das Gelöbnis verweigern, begehen laut Bundeswehr ein Dienstvergehen und können nicht befördert werden.
Wochenenden und Urlaub
Die Ausbildungseinheiten planen so, dass am Wochenende in der Regel kein Dienst ist und man nach Hause fahren kann; Übungen wie das Biwak können darauf fallen. Nach Dienstschluss darf man die Kaserne grundsätzlich verlassen. In Uniform außerhalb der Kaserne erst nach der Grußabnahme, meist im ersten Monat. Erholungsurlaub ist in der Grundausbildung meist nicht vorgesehen, im Heer in der Regel erst ab dem siebten Monat; Ausnahmen gibt es etwa für Geburt, Hochzeit oder Todesfall in der Familie. Im freiwilligen Wehrdienst entsteht für jeden vollen Monat ein Zwölftel des Jahresurlaubs.
Wann und wo
Eine feste Terminliste für 2026 und 2027 gibt es nicht. Im freiwilligen Wehrdienst soll grundsätzlich zu jedem Monatsbeginn eingestellt werden, der Termin wird mit dir abgestimmt, und die Aufforderung zum Dienstantritt soll vier Wochen vorher kommen. Ausgebildet wird an rund 150 Standorten, möglichst heimatnah. Die Bundeswehr nennt als Beispiele die Marineschulen in Bremerhaven und Plön, das Ausbildungsbataillon der Luftwaffe in Germersheim (Unteroffizieranwärter in Appen), den Sanitätsdienst in Weißenfels, Rennerod und Feldkirchen und den Cyber- und Informationsraum in Dillingen; Heer und Unterstützungsbereich bilden in ihren Verbänden in ganz Deutschland aus.
Was du mitbringst
Eine zentrale Packliste gibt es nicht; die Begrüßungsschreiben der Einheiten sind maßgeblich. Ihre Listen stimmen im Kern überein:
- Unterlagen: Einberufungsbescheid oder Aufforderung zum Dienstantritt, Personalausweis, Steuer-ID, Rentenversicherungsnummer, Bankverbindung, Schul- und Berufszeugnisse, Impfpass und die ausgefüllten Formulare aus dem Begrüßungsschreiben.
- Persönliches: Sportzeug und Hallenschuhe, Badeschuhe, Handtücher, Waschzeug und Rasierer, Unterwäsche, Zivilkleidung für die ersten Tage, etwas Bargeld, Vorhängeschlösser für den Spind.
- Lieber zu Hause lassen: Laptop, Fernseher und andere größere Geräte, Schmuck. Haustiere sind nicht erlaubt.
- Haare: Ohren und Nacken frei, lange Haare zum Zopf gebunden.
Als Vorbereitung empfehlen die Einheiten Laufen und Krafttraining, die Nationalhymne, das NATO-Alphabet und die Dienstgrade. Zum Üben: Dienstgrade-Quiz und die Übersicht zum Ausdrucken.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Grundausbildung bei der Bundeswehr?
In der Regel drei Monate, also zwölf Wochen mit rund 500 Ausbildungsstunden, für alle gleich: freiwillig Wehrdienstleistende, Soldaten auf Zeit, alle Teilstreitkräfte und Laufbahnen. Im Heer folgen darauf direkt weitere zwölf Wochen; zusammen heißen die ersten sechs Monate dort Basisausbildung.
Heißt die Grundausbildung jetzt anders?
Ja. Seit dem 1. Mai 2026 heißt sie offiziell Heimatschutzausbildung Streitkräfte (HSA SK). Sie ersetzt die bisherige Grund- und Basisausbildung und ist in allen Teilstreitkräften einheitlich.
Was verdient man in der Grundausbildung?
Freiwillig Wehrdienstleistende bekommen 2.600 Euro Wehrsold brutto im Monat, als Gefreiter 2.630 Euro. Soldaten auf Zeit im niedrigsten Dienstgrad haben ein gesetzliches Grundgehalt von rund 2.700 Euro; seit Mai 2026 zahlt der Bund als Abschlag 2.866 Euro. Der Sold wird im Voraus gezahlt.
Wann wird man Gefreiter?
Frühestens nach drei Monaten Dienstzeit, also etwa am Ende der Grundausbildung. Die Soldatenlaufbahnverordnung erlaubt die Beförderung dann, sie geschieht aber nicht automatisch. Obergefreiter ist frühestens nach sechs Monaten möglich.
Darf man am Wochenende nach Hause?
In der Regel ja. Die Ausbildungseinheiten schreiben, dass am Wochenende normalerweise kein Dienst ist. Ausnahmen sind etwa Übungen und das Biwak. Urlaub ist während der Grundausbildung meist nicht vorgesehen, außer in besonderen Fällen wie Geburt, Hochzeit oder Todesfall in der Familie.
Wann beginnt die Grundausbildung 2026 und 2027?
Eine feste Liste von Terminen veröffentlicht die Bundeswehr nicht. Beim freiwilligen Wehrdienst soll grundsätzlich zu jedem Monatsbeginn eingestellt werden; der Termin wird mit dir abgestimmt. Die Aufforderung zum Dienstantritt soll vier Wochen vorher kommen.
Was ist der Unterschied zwischen Gelöbnis und Eid?
Wer freiwilligen Wehrdienst leistet, legt das feierliche Gelöbnis ab: „Ich gelobe …“. Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten schwören den Diensteid: „Ich schwöre …“, auf Wunsch mit „so wahr mir Gott helfe“. Beides findet gegen Ende der Grundausbildung statt.
Quellen: bundeswehr.de, „Heimatschutzausbildung bei der Bundeswehr: die neue Grundausbildung“ (11.08.2026), „Bald ‚beim Bund‘? Hier lesen Sie, was Sie erwartet“ (04.08.2026), Seiten zu Schießen, Erster Hilfe, Sport, Ausrüstung, Gefechtsdienst und Gelöbnis (abgerufen 24.10.2026), „Einberufung“ (19.12.2025), Seiten und Begrüßungsschreiben einzelner Ausbildungseinheiten (Alt Duvenstedt, Höxter, Bruchsal, Flensburg, Storkow) als Beispiele; Antwort der Bundesregierung, Bundestagsdrucksache 21/7638 (17.08.2026); Soldatengesetz §§ 9, 46, 55, 56, 58g; Soldatenlaufbahnverordnung §§ 7, 8, 11, 12, 14, 18, 24; Wehrsoldgesetz; Soldatinnen- und Soldatenurlaubsverordnung § 5. Unabhängiges Angebot, nicht von der Bundeswehr.